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  • Roya Sabzghabaei

“Mein Gynäkologe hat mir offen gesagt, dass er gegen eine Hausgeburt ist.”

Interview - Teil 2

Letzte Woche hat uns Julia Berg (Instagram: @geburtsgefluester) im Interview von ihrer eigenen Erfahrung bezüglich der Hausgeburt ihres Sohnes erzählt. Den ersten Teil des Interviews findest du hier. Julia selbst ist klinische Psychologin und Mutter von zwei Kindern. Zudem bietet sie Hilfe zur Geburtsverarbeitung und -vorbereitung für Frauen an. Alle weiteren Informationen zu ihr und ihren Angeboten findest du auf ihrer Website www.julia-berg.com.


Heute erzählt sie uns alles zu den Formalitäten und wie man sich mental auf eine Hausgeburt vorbereiten kann.


MyClarella: Stimmt es Deiner Erfahrung nach, dass sich Frauen heutzutage seltener für eine Hausgeburt entscheiden? Woran denkst Du liegt das?

Julia Berg: Meine Erfahrung ist, dass sich aktuell immer mehr Frauen für eine Hausgeburt interessieren. Insbesondere in Zeiten von Corona, wenn eine Klinikgeburt doch oft sehr viele Einschränkungen mit sich bringt (zum Beispiel, dass der/die Partner*in nicht oder nur eingeschränkt mit zur Geburt kann oder dass eine Maskenpflicht besteht), kommt die Hausgeburt immer mehr in das Zentrum der Aufmerksamkeit von ganz vielen Mamas.


In Zeiten von Corona gibt es also mehr Hausgeburten als zuvor.

Das bedeutet leider nicht, dass es mehr Hausgeburten gibt, als zuvor. Denn die meisten Hausgeburtshebammen arbeiten an ihrer oberen Belastungsgrenze. Es gibt einfach oft leider nicht genügend Hebammen für all die Frauen, die gerne eine Hausgeburt hätten. Viele Hebammen hören sogar leider aufgrund der hohen Kosten und der hohen Belastung auf, wodurch dann leider auch die Hausgeburten immer weniger werden.


Wenn sich eine werdende Mutter für eine Hausgeburt entschieden hat, wie muss man sich dann den administrativen Aufwand vorstellen?

Der Aufwand ist in der Regel gar nicht so hoch! Das erste und auch das größte Hindernis dürfte es sein, eine Hebamme zu finden, die dich zu einer Hausgeburt begleitet. Dann darf natürlich auch aus gesundheitlicher Sicht nichts dagegen sprechen (das klärst du am besten mit deiner Hebamme ganz individuell ab).

Und der Rest läuft dann eigentlich ganz von allein. Deine Hebamme wird mit dir die Geburt ausführlich vorab besprechen und dir auch eine Liste von Dingen geben, die du besorgen und rechtzeitig da haben solltest. Wenn du dich hier noch um eine Gebärwanne kümmern magst, kann das noch ein kleiner Aufwand sein, manchmal kann aber auch die Hebamme dir eine Gebärwanne ausleihen!


Muss man bestimmte Formalitäten beachten?

Bürokratisch gesehen gibt es da keine besonderen Hürden zu nehmen. Deine Hebamme stellt dir alle Unterlagen aus, untersucht auch dein Kind nach der Geburt und stellt ihm ein U-Heft aus.


Wie kann man sich mental auf die Hausgeburt vorbereiten?

Das Allerwichtigste ist, dass du mental bereit bist für die Geburt und es auch zulassen möchtest. Solltest du dich aus irgendeinem Grund Zuhause unwohl fühlen oder unsicher sein, dann wird sich dein Körper bei der Geburt auch nicht öffnen können. Das Gleiche gilt, wenn du zum Beispiel Angst hast, zu laut zu tönen, weil du die Nachbarn nicht stören möchtest.

Diese Sorgen solltest du dir vorab bewusst machen und sie entweder direkt lösen oder einen anderen Geburtsort wählen. Denn andernfalls kannst du dich bei der Geburt nicht richtig fallen lassen. Und das ist in meinen Augen die Voraussetzung für eine schöne Geburt!


Was sollte unbedingt bei einer Hausgeburt beachtet werden?

Ganz klar: Dass Mama und Kind gesund sind (grünes Licht von der Hebamme!) und eine gute Betreuung durch eine erfahrene Hausgeburtshebamme haben, der die gebärende Frau wirklich vertraut.

Die intensive Betreuung durch eine bekannte Hebamme (manchmal sogar zwei!) und der sehr natürliche und entspannte Rahmen ermöglichen es sowohl der Mama als auch der Hebamme, ein sehr gutes Gefühl für die Geburt und ihren Verlauf zu entwickeln.


Es kann auch passieren, dass sich die werdende Mutter unter der Geburt nicht wohlfühlt.

Die gebärende Frau spürt sehr schnell und frühzeitig, falls es ihr nicht gut gehen sollte. Die Hebamme ist immer anwesend und kann sehr schnell wahrnehmen, falls etwas nicht so gut klappt. So kann frühzeitig eine Maßnahme eingeleitet werden, falls sie nötig sein sollte (eine Verlegung ins Krankenhaus zum Beispiel, das findet allerdings nur relativ selten statt). Dieser Umstand macht eine Hausgeburt auch sehr sicher - zumindest ähnlich sicher, wie auch eine Klinikgeburt, bei der sowohl die Betreuung als auch das Körpergefühl der Frau in der Regel deutlich weniger intensiv sind.


Du bietest Kurse zur Verarbeitung von traumatischen Geburten an. Hast du auch Mütter kennengelernt, die negative Erfahrungen oder traumatische Erlebnisse während einer Hausgeburt hatten?

Eine sehr gute und berechtigte Frage! Eine Hausgeburt ist keine Garantie für eine schöne Geburt! Da spielen auch andere Faktoren eine entscheidende Rolle. Dementsprechend ja: Ich habe auch bereits eine Frau begleitet, die eine traumatische Hausgeburt erlebt hat. Hier war das eigentliche Problem, dass sie sich von der Hebamme nicht gut betreut gefühlt hat. Also man sieht: Mit der Hebamme kann das Geburtserlebnis eben auch stehen oder fallen - unabhängig vom Geburtsort.


Würdest Du eine Hausgeburt weiterempfehlen und wenn ja wem?

JA, das würde ich auf jeden Fall.

Allen Frauen, die sich gut fühlen und bei denen aus medizinischer bzw. Hebammensicht nichts gegen eine Hausgeburt spricht. Und dann ist es wichtig, dass die Frau sich Zuhause wirklich wohl und sicher fühlt, denkt, dass sie sich fallen lassen und auch ungehemmt laut tönen kann.

Frauen, die wissen: “Im Geburtshaus oder im Krankenhaus fühle ich mich einfach sicherer”, sollten auch nicht aus Mode oder anderen Gründen eine Hausgeburt planen. Hör auf dein Herz!


Hast du noch einen weiteren Tipp, wie eine Traumgeburt erzielt werden kann?

Stelle dir vorher ganz klar und deutlich vor, wie du dir die Geburt wünschst. Male sie dir in allen kleinsten Details aus. Und dann visualisiere dir das regelmäßig während der Schwangerschaft. Das heißt: Stelle dir diese Situation zum Beispiel jeden Abend beim Einschlafen vor. So dass sich diese Vorstellung tief in deinem Unterbewusstsein verankern kann. Dann hast du große Chancen, dass die Geburt tatsächlich so abläuft!




Hier kommst du zu Julias Angeboten:

Julias Begleitung bei der Verarbeitung der Geburt des Kindes:

https://www.julia-berg.com/verarbeitung-deiner-geburtserfahrung/

Julias Begleitung in der Schwangerschaft:

https://www.julia-berg.com/kraftvoll-gebaeren/


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