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  • Roya Sabzghabaei

Krankenhaus, Geburtshaus oder Hausgeburt?

Aktualisiert: Feb 3

Im heutigen Artikel möchten wir uns mit den verschiedenen Geburtsorten beschäftigen und welche Möglichkeiten es neben einer Geburt in der Klinik gibt.


Im Laufe der Schwangerschaft kommen viele Fragen auf, die vor der Geburt des Kindes geklärt werden müssen. So auch die Frage, wo und wie die Geburt stattfinden soll.


Bevor du dir Gedanken machst, welcher Geburtsort deinen Wünschen entspricht, solltest du dir im Vorfeld darüber klar werden, welches deine Bedürfnisse sind und was dir wichtig für deine Geburt ist: Wie möchtest du entbinden? Was ist dir besonders wichtig, z.B. allumfassende medizinische Versorgung oder genügt dir die Betreuung durch eine Hebamme? Wo fühlst du dich am wohlsten z.B. in einer heimischen Atmosphäre oder in einem Kreißsaal? Was gibt dir ein Gefühl von Sicherheit?


Neben diesen Fragen spielt der gesundheitliche Zustand von dir und deinem Baby ebenfalls eine große Rolle. Besteht eine Risikoschwangerschaft wird die Geburt meistens in einem Krankenhaus durchgeführt, um bei möglichen Komplikationen eine ausreichend medizinische Versorgung und Fachpersonal vor Ort zu haben. Auch die direkte Nähe zu einer Kinderklinik kann in manchen Fällen notwendig sein. Ausschlaggebende Faktoren können Bluthochdruck, Schwangerschaftsdiabetes, eine Mehrlingsschwangerschaft oder wenn das Baby am Ende der Schwangerschaft in Beckenendlage liegt, sein. Natürlich muss das bei jeder Frau individuell mit einer Ärztin/ einem Arzt oder einer Hebamme abgesprochen werden.


Krankenhaus

Entscheidest du dich für eine Geburt in einer Klinik, hast du die Auswahl zwischen einer ambulanten oder einer stationären Geburt. Bei einer stationären Geburt bleiben Mutter und Neugeborenes nach der Geburt noch einige Tage (meistens zwischen drei bis fünf Tagen) im Krankenhaus, erholen sich und die Nachfolgeuntersuchungen (U1 und U2) werden direkt vor Ort durchgeführt. Vorteilhaft ist hierbei, dass dir eine dauerhafte Betreuung zur Verfügung steht, wie auch fachliches Personal und eine medizinische Versorgung für dich und das Baby.


Entscheidest du dich für eine ambulante Geburt, darfst du – sofern es zu keinen Komplikationen oder Auffälligkeiten bei dir oder deinem Baby kommt – das Krankenhaus innerhalb weniger Stunden (meistens nach drei bis sechs Stunden nach der Geburt) verlassen. Du kannst also recht schnell nach Hause und in deine vertraute Umgebung. Die Geburt an sich läuft unter den gleichen Bedingungen ab wie bei einer stationären Geburt. Auch die U1-Untersuchung findet noch im Krankenhaus statt. Zur U2-Untersuchung musst du dir aber einen eigenen Kinderarzt suchen, der diese durchführt. Auch eine Nachsorgehebamme sollte bereitstehen. Diese kann bereits am Tag deiner Entlassung einen Besuch bei dir abstatten, dir bei den ersten Problemen helfen (z.B. beim Stillen oder Fläschchen anlegen) und weitere Untersuchungen durchführen. Es ist also zusammenfassend wichtig, dass du im Vorfeld (vor allem bei deiner ersten Geburt) einen Kinderarzt ausfindig machst und eine Nachsorgehebamme organisierst.


Kommt für dich eine Geburt im Krankenhaus in Frage, ist es gut sich darauf einzustellen, dass es zu einem Schichtwechsel im Personal kommen kann. Bevorzugst du aber eine Hebamme, die dir während der gesamten Geburt beiseite steht, kannst du dir eine Beleghebamme suchen. Beleghebammen arbeiten mit einer Klinik, einem Belegkrankenhaus, zusammen und können nach Anfrage zur Geburt hinzugezogen werden.


Meistens bieten Krankenhäuser Informationsveranstaltungen und Besichtigungstouren der einzelnen Kreißsäle an, so kannst du dir alles genau im Vorfeld anschauen und für dich feststellen, welches Krankenhaus gut zu dir passt. Scheu dich auch nicht deine Fragen an die jeweiligen Ärztinnen und Ärzte vor Ort zu stellen.


Neben dem klassischen Krankenhaus besteht die Möglichkeit einer außerklinischen Geburt. Dazu zählen Geburtshäuser, wie auch die Hausgeburt.


Vorteile:

  • Nachfolgeuntersuchungen (U1 und gegebenenfalls U2) werden direkt vor Ort durchgeführt

  • Dauerhafte Betreuung

  • Medizinische Versorgung und fachliches Personal

  • Klassische Schmerzlinderungsmaßnahmen wie eine PDA (Periduralanästhesie) können angefordert werden

  • Möglichkeit einer stationären Geburt, d.h. man kann noch einige Tage im Krankenhaus bleiben

Nachteile:

  • Möglicher Schichtwechsel während der Geburt (aber: man kann sich eine Beleghebamme suchen)

  • Bei einer ambulanten Geburt: zur U2-Untersuchung muss ein Kinderarzt im Vorfeld gesucht werden, d.h. mehr Organisation

  • Nicht unbedingt individuelle Betreuung


Geburtshaus

Eine Alternative zur ambulanten Geburt in einer Klinik ist eine Geburt im Geburtshaus. Ein Geburtshaus wird in der Regel von mehreren Hebammen geführt. Manche Geburtshäuser stehen auch im engen Kontakt mit einer Ärztin oder einem Arzt. Das Geburtshaus soll eine wohnliche und heimische Atmosphäre ausstrahlen, so dass sich die Schwangere wohl und geborgen fühlt. Viele Geburtshäuser bieten auch im Vorfeld Geburtsvorbereitungskurse und Vorsorgeuntersuchungen an.


Im Gegensatz zum Krankenhaus bietet das Geburtshaus eine geringfügige medizinische Versorgung an. Neben einem Sauerstoff-Überwachungsgerät steht meistens auch ein CTG-Überwachungsgerät bereit. Klassische Schmerzlinderungsmaßnahmen wie eine PDA (Periduralanästhesie) werden im Geburtshaus nicht angeboten. Alternative Behandlungsmethoden zur Schmerzlinderung wie Massagen, Akupunktur oder homöopathische Mittel stehen dir zur Verfügung und können unter der Geburt angefragt werden.


Anders als im Krankenhaus findet kein Hebammenwechsel statt. Unter der Geburt stehen dir ein bis zwei Hebammen komplett zur Verfügung, diese betreuen nur dich.


Zudem hast du die Möglichkeit, wie auch im Krankenhaus, zwischen verschiedenen Geburtspositionen oder auch einer Wassergeburt zu wählen.


Vorteile:

  • Wohnliche und gemütliche Atmosphäre

  • Kein Hebammenwechsel

  • Kennenlernen mit der Hebamme vor der Geburt

  • Alternative Behandlungsmethoden zur Schmerzlinderung wie Massagen, Akupunktur oder homöopathische Mittel

Nachteile:

  • Keine klassischen Schmerzlinderungsmaßnahmen

  • Geringfügige medizinische Versorgung


Hausgeburt

Ähnlich wie im Geburtshaus wirst du bei einer Hausgeburt in der Regel von Hebammen (meistens von zwei Hebammen) unterstützt und betreut. Empfohlen wird eine Hausgeburt nur dann, wenn keine Risiken für Mutter oder Kind bestehen. Besteht eine Risikoschwangerschaft oder andere Beschwerden, die die Gesundheit deines Kindes oder deine eigene Gesundheit beeinträchtigen können, wird von einer Hausgeburt abgeraten. Aber auch hier ist es wichtig, dass du dies vorab mit deiner Hebamme, die die Hausgeburt durchführen soll, oder deiner Ärztin/ deinem Arzt besprichst.


Einerseits ist die Mutter während einer Hausgeburt oftmals entspannter, da sie in einer vertrauten und heimischen Umgebung entbindet und sich komfortabler fühlt als in einem fremden Kreißsaal. Ebenfalls kannst du zu Hause eine Wassergeburt durchführen, ähnlich wie im Krankenhaus oder im Geburtshaus. Falls du nicht in deiner Badewanne entbindet möchtest oder keine hast, gibt es sogenannte Geburtspools. Diese kannst du bei bestimmten Anbietern ausleihen, eventuell kann dir auch deine Hebamme einen solchen zur Verfügung stellen. Der Geburtspool bietet dir oftmals einen komfortableren Ein- und Ausstieg. Zusätzlich kann deine Hebamme von allen Seiten Hilfe leisten.


Andererseits steht bei einer Hausgeburt in der Regel keine klinisch medizinische Versorgung zur Verfügung und der Weg ins Krankenhaus, falls Komplikationen auftreten, dauert meistens länger. Ziehst du eine Hausgeburt in Betracht, ist es empfehlenswert dich bei der nächstgelegenen Klinik im Vorfeld anzumelden. So sind sie im Notfall auf dich eingestellt und können schnell agieren. Falls Geschwisterkinder vorhanden sind, ist es ebenfalls eine Überlegung wert, ob sie betreut werden oder dabei sein sollen.


Vorteile:

  • 1:1-Betreuung durch die Hebamme/n

  • Zuhause fühlt man sich am wohlsten und ist entspannter

  • Eigene Wünsche werden beachtet

Nachteile:

  • Keine klinisch medizinische Versorgung

  • Weg ins Krankenhaus (im Falle von Komplikationen) dauert meistens länger

  • Keine klassischen Schmerzlinderungsmaßnahmen


Um mehr zum Thema Hausgeburt zu erfahren, haben wir ein Interview mit Julia Berg (Instagram @geburtsgefluester) durchgeführt. Sie ist klinische Psychologin und bietet Hilfe zur Verarbeitung von Geburtserfahrungen an (hier gelangst du auf ihre Website: www.julia-berg.com). Zudem hat sie selbst eine Hausgeburt erlebt und erzählt uns nächste Woche von ihren eigenen Erfahrungen und wie sie die Hausgeburt ihres Sohnes wahrgenommen hat. Das Interview gibt es nächste Woche auf unserem Blog.


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