Interview mit Doula Kaya Kaiser

Für mich ist eine Doula eine Frau, die da ist. Eine Freundin auf Zeit, die für mich den Raum hält, den ich brauche während der Schwangerschaft genauso wie während der Geburt und später im Wochenbett.
 
In unserem letzten Artikel haben wir bereits über den Beruf und die Berufung zur Doula gesprochen. Heute freuen wir uns umso mehr, Doula Kaya Kaiser (Wien) für euch zu interviewen, denn ihr persönlicher Erfahrungsbericht beantwortet Fragen wie: Wozu benötige ich denn eine Doula in der Praxis? Schließlich wird man doch von Hebammen und Begleitpersonen betreut? Warum sollte man sich noch eine fremde Frau mitnehmen, die einen gar nicht gut kennt und medizinisch sogeschen keine klassische Ausbildung hat?

Trotzdem wird im Zusammenhang mit Geburten, die auch von Doulas betreut werden von vielen sehr positiven Dingen berichtet: weniger Interventionen, weniger Schmerzmittel, besserer Stillstart oder eine bessere Verarbeitung der Geburt. 
Aber legen wir doch am Besten direkt los:
 
 
Liebe Kaya, wie hast du die Geburt deiner Tochter erlebt?
Zu Beginn sehr schön. Die Ärztin im KH war sehr verständnisvoll (ich wollte keinen präventiven Zugang gelegt bekommen) und die Hebamme war bemüht, meinen Wünschen (Kreißsaal mit Wanne, wenig Störungen, keine ungefragten Interventionen) nachzugehen. Im Laufe der Stunden wurden die Wehen intensiver und die Abstände kürzer. Ich war in der Wanne und kam gut zurecht. Das alles änderte sich mit dem Schichtwechsel der Hebammen. Mit dem Eintreffen der neuen Hebamme am Abend war es das mit meiner selbstbestimmten Geburt gewesen.
 
Welche Auswirkungen hat dieses Geburtserlebnis noch heute auf dich und wie gehst du damit um?
Es beschäftigt mich noch immer fast täglich und mischt sich noch immer gehörig rein, wenn ich an ein weiteres Kind denke. Da ist einfach eine riesige Angst davor, sowas nochmal erleben zu müssen. Gleichzeitig bin ich aber auch dankbar, weil mich dieses Erlebnis motiviert hat, Doula zu werden. Weil sich in meiner Anwesenheit jede Gebärende stets gesehen, gehört und ernstgenommen fühlen darf. Das macht einen riesigen Unterschied. Ich kann als Doula zwar nicht medizinisch eingreifen, aber sehr wohl dafür sorgen, dass die werdende Mama möglicherweise notwendig werdende Interventionen emotional gut integrieren kann. Und somit hoffentlich dazu beitragen, dass Geburtstraumata in meiner Anwesenheit vermieden werden können.
 
Ich wusste schlichtweg nicht, was das Wochenbett ist und wie wichtig es ist.
 
Wie hast du dein Wochenbett empfunden? Hattest du das Gefühl du warst gut auf diese Zeit vorbereitet?
Mein Wochenbett war eine Katastrophe. Dazu muss ich allerdings auch sagen, dass unsere Tochter gesundheitliche Probleme hatte, die uns völlig überrascht und aus der Bahn geworfen haben. Wir haben die ersten zwei Wochen mit ihr im Krankenhaus verbracht. Zwischen Intensivstation und Milchpumpstation war da kaum Zeit für irgendwas und schon gar nicht für ein Wochenbett, so wie ich es mir heute vorstelle. Aber auch dann zuhause, als eigentlich Zeit und Raum fürs Wochenbett war, hats das nicht gegeben. Was in erster Linie daran lag, dass mein Bewusstsein diesbezüglich überhaupt nicht vorhanden war. Ich wusste schlichtweg nicht, was das Wochenbett ist und wie wichtig es ist. Also nein, ich war überhaupt nicht gut auf diese Zeit vorbereitet. 
 
Was würdest du beim nächsten Kind/Wochenbett anders machen?
ALLES! Mit dem Baby im Bett bleiben, mindestens 40 Tage lang. Mich bekochen und bemuttern lassen. Schlafen, Stillen, nackt kuscheln. Meinem Körper und meiner Seele Zeit geben, zu heilen und mit meinem Baby in dieser neuen Welt anzukommen. Das gehört natürlich im Vorfeld geplant und organisiert, insbesondere, wenn man schon ein Kind hat. 
 
Hattest du selbst eine Doula bei der Geburt deiner Tochter? In welchem Szenario wäre es wichtig gewesen sie zu haben?
Nein, ich hatte keine Doula. Was daran liegt, dass ich nicht wusste, dass es Doulas gibt. Sie wäre in jedem Szenario wichtig gewesen. Während der Schwangerschaft, als ich mich oft orientierungslos gefühlt habe. Während der Geburt, um den Schichtwechsel der Hebammen angenehmer zu gestalten und eine Konstante zu haben. Jemand, dem ich vertraue, der mit mir redet und mich bestärkt. Mir das Gefühl gibt, dass ich das schaffen kann und werde. Einfach jemanden, der an meine Stärke und Kraft glaubt. Und natürlich im Wochenbett, als zwischen Abpumpen und schreiendem Baby einfach keine Zeit geblieben ist, auf Toilette zu gehen geschweigedenn etwas gesundes und frisches zum Essen zuzubereiten. 
 
Wann hast du zum ersten Mal vom Beruf der Doula erfahren?
Nach der Geburt meiner Tochter, als ich versucht habe aufzuarbeiten oder überhaupt erstmal zu verstehen, was mir da während der Geburt passiert ist.
 
Was genau bedeutet für dich das Wort/der Beruf Doula?
Für mich ist eine Doula eine Frau, die da ist. Eine Freundin auf Zeit, die für mich den Raum hält, den ich brauche während der Schwangerschaft genauso wie während der Geburt und später im Wochenbett. Ich tue mir mit der Übersetzung "Dienerin" etwas schwer, weil der Begriff für mich negativ behaftet ist. Eine Doula steht weder über mir, noch unter mir. Wir begegnen uns auf Augenhöhe. So wie Freundinnen eben.
 
Was hat dich dazu bewegt selbst die Zertifizierung zur Doula zu machen?
Teilweise habe ich das weiter oben schon anklingen lassen. Tatsächlich ist es so, dass ich schon nach dem Abitur lange Zeit mit mir gerungen habe, ob ich mich zur Hebamme ausbilden lassen soll. Geburten waren für mich schon immer wahnsinnig faszinierend und wenn ich irgendwo eine werdende Mama gesehen habe, war ich so in ihren Bann gezogen, dass ich mich zwingen musste, sie nicht unangenehm anzustarren. Rückblickend betrachtet hat es mich also einfach zur richtigen Zeit in die für mich richtige Richtung gezogen.
Danke für den Einblick und das schöne Interview liebe Kaya!
 
 
Ihr findet Kaya auf Instagram @ kayanakita oder auf ihrer Website 

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