40 Weeks, 40 Women: Doula Stephanie Johne

Im Rahmen unserer 40 Weeks, 40 Women Kampagne stellen wir euch wöchentlich einen persönlichen Moment rund um Schwangerschaft, Geburt oder Wochenbett aus unserer Community vor. Echte Geschichten von euch für euch. 

Den Anfang macht Stephanie Johne, auf Instagram auch bekannt als @_warriorwoman. Stephanie ist Doula in Wien und hat ein breites Spektrum an holistischen Fähigkeiten und Ausbildungen, um Frauen während und nach der Geburt zu unterstützen. Im heutigen Interview erzählt sie uns mehr über sich, ihren Beruf und ihre Berufung und thematisiert auch ihre eigene Erfahrung im Wochenbett.

 

Deine Beschreibungliest sich einfach wunderbar: WOCHENBETT-AYURVEDA-KÖCHIN, ERNÄHRUNGSBERATUNG, PRÄ- & POSTNATAL KUNDALINI YOGA, ÄTHERISCHE ÖLE, YONI STEAMING, BELLY BINDING, RETREATS - wie sieht dein Alltag aus? Gibt es überhaupt einen Tag der dem anderen gleicht?

Ja und nein – ich habe schon festgelegte Tage, an denen ich beispielsweise ausschließlich Klientinnen sehe oder an denen ich Yoga unterrichte, im Grunde ist aber jeder Tag wieder ein bisschen eine Überraschung.

Wie bist du das erste Mal mit dem Begriff Doula in Kontakt gekommen?hrend der Schwangerschaft mit meinem Sohn vor fast 5 Jahren. Ich war auf der Suche nach einem ganzheitlichen Geburtsvorbereitungskurs und bin auf das Angebot einer wunderbaren Doula gestoßen. Der Kurs war dann genau das, was ich mir gewünscht hatte.


Was hast du vorher beruflich gemacht und was hat dich bewegt dann Doula zu werden? War es auch bei dir eine Art Berufung?

Ich bin eigentlich Redakteurin und PR Beraterin. Ich sage bewusst “bin”, weil ich schon hin und wieder noch Aufträge in dem Bereich annehme. Den Ruf, Doula zu werden, nahm ich kurz nach der Geburt von meinem Sohn das erste Mal wahr. Es war dann eine glückliche Fügung, dass ich 2,5 Monate später auf die Ausbildung ganz bei uns in der Nähe gestoßen bin und es genau noch einen letzten Platz gab.


Wie kann man sich die Betreuung durch eine Doula als Schwangere vorstellen? Bist du bereits in der Schwangerschaft aktiv, nur bei der Geburt oder bei manchen Mamas sogar ausschließlich im Wochenbett?

Sowohl als auch. Meistens kontaktieren mich die Mamas schon sehr früh in der Schwangerschaft und ich begleite sie schon bei grundlegenden Entscheidungsfindungen, wie der Suche nach dem richtigen Geburtsort und -team. Manchmal werde ich aber auch erst last-minute für für die Geburt angefragt und gar nicht so selten wünschen sich Mamas ausschließlich im Wochenbett Begleitung. Meistens komme ich dann alle zwei Tage für je 4 Stunden zu den Familien nach Hause und koche für sie nach Ayurveda Wochenbett gerechte Küche.

 

"Im Grunde tragen wir als Frauen, alles was es zum Gebären braucht, in uns."


Wie genau würdest du deine Rolle bei der Entbindung beschreiben? 

Ich bin so etwas wie das erweiterte (emotionale) Kraft-Depot der werdenden Mama unter der Geburt. Im Grunde tragen wir als Frauen, alles was es zum Gebären braucht, in uns. Gerade als Erstgebärende und im Krankenhaus-Umfeld mit all den unbekannten Eindrücken, sind wir aber schnell verunsichert und suchen Sicherheit schnell im Außen. Ich erinnere die Mamas an ihre Stärke, atme mit ihnen, leite Entspannungstechniken an, massiere sie, halte Raum, sorge für eine entspannte Stimmung mit Hilfe von Düften und Klang… Kurzum: ich bin das Plus bei der Geburt. Gebären können Frauen grundsätzlich auch ohne Doulas, die Frage ist, wie und wie sie dieses Erlebnis in Erinnerung behalten. Ich bin den Familien in der Zeit der Geburt eine Stütze und kümmere mich um ihre Belange – manchmal auch um die der werdenden Väter oder Geschwisterkinder, wenn sie wie bei Hausgeburten oft der Fall dabei sind. Bei Hausgeburten entlaste ich auch die Hebamme, indem ich ihr zur Hand gehe, insofern gewünscht und wir uns bei bestimmten Positionen und Entspannungen abwechseln.


Macht es für deine Arbeit einen Unterschied, ob es sich um eine Krankenhaus- oder eine Hausgeburt handelt?

Im Grunde nicht, ich sehe mich immer in derselben Rolle. Das Setting ist bei einer Hausgeburt aber natürlich eine andere, es ist viel familiärer, wenn die Hebamme etwa zeitgleich mit mir eintrifft (oft ist die Doula vorher da), hat die Frau durchgehend eine doppelte 1:1 Betreuung, was für alle Beteiligten natürlich eine Erleichterung ist, wenn wir uns abwechseln können. Oft schaue ich zuhause zeitgleich auch auf die Geschwisterkinder, bereite schon mal ein gutes Essen zu oder räume parallel auf und richte das Wochenbett-Lager her. Im Krankenhaus habe ich meist weniger bis gar keine Pausen als bei der Hausgeburt. Hier sehe ich mich manchmal auch in der Vermittlerrolle zwischen dem medizinischen Personal und der Familie, wobei ich ganz deutlich sagen möchte, dass ich zu keinem Zeitpunkt medizinische Entscheidungen in Frage stelle oder anfechte, wohl aber die Familie an ihrem Geburtsplan erinnere und daran, was wir vorab über einzelne Interventionen besprochen haben.


Und wo siehst du deine Aufgaben im Bereich der Wochenbettbetreuung?

Ich sehe mich vor allem als Wochenbettköchin, habe aber auch immer ein offenes Ohr und stehe mit Belly Binding und Vaginal Steaming oder diversen Haushaltsarbeiten unterstützend zur Seite. Im Grunde werde ich aber gebucht, um die Familie zu bekochen und so den Heilungsprozess und das Ankommen zu erleichtern.

 

 


Ist es schon vorgekommen, dass sich das Umfeld der Mama (ob Partner*in oder Begleitpersonen, Großeltern etc.) von dir verdrängt gefühlt haben? 

Die Bedenken gibt es vorab durchaus, tatsächlich haben diese sich aber bis jetzt immer schnell in Luft aufgelöst. Ich glaube, ich habe ein ganz gutes Gespür, wann ich das vertraute Verhältnis zwischen der werdenden Mama und einer anderen Begleitperson nicht zu stören habe und lediglich Komparsin bin. Mir ist wichtig, dass sich die Gebärenden sicher und ungestört fühlen – manchmal gelingt das am besten in Zweisamkeit. Ich ziehe mich derweil zurück und warte bis ich wieder gebraucht werde. Wenn das der Fall ist, zeige ich die meisten Entspannungsübungen immer zuerst der/dem Partner/in.

Wie erlebst du die Zusammenarbeit unter der Geburt zwischen dir und Hebammen, Ärzt*innen oder Pflegepersonal im Krankenhaus? 

Im Grunde immer positiv. Es gibt im Krankenhaus schon immer wieder anfängliche Vorbehalte gegenüber Doulas, meist kann ich dem Personal aber ganz gut nehmen. Ich verstehe sie in ihrer Haltung in vielen Punkten ja auch wirklich gut, würde mir aber dennoch wünschen, dass wir im Sinne der Gebärenden noch mehr aufeinander zugehen und den gemeinsamen Diskurs suchen, um uns noch besser aufeinander einstellen zu können.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt ausdrücklich eine kontinuierliche emotionale Begleitung der Schwangeren durch eine Doula – sind die positiven Effekte auf das Geburtserlebnis bereits ausreichend wissenschaftlich belegt?

Es gibt tatsächlich mittlerweile sehr viele Studien darüber, Tendenz steigend, eine große Auswahl findet man zum Beispiel hier

 

Auch dir liegt das Wochenbett sehr am Herzen: Du hast sogar ein Buch über das “vierte Trimester” geschrieben: Milk & Mother. Erzähle uns doch gerne einmal was dich zu diesem Buch motiviert hat und was Leser*innen aus deinem Buch mitnehmen können?

Milk & Mother ist das Buch, das ich im Wochenbett selbst gerne gehabt hätte. Es dient einerseits als Vorbereitung auf die Zeit nach der Geburt und ist andererseits auch ein treuer Begleiter währenddessen. Das Buch behandelt dabei nicht nur das unmittelbare Wochenbett, also die 8 Wochen nach der Geburt, sondern auch die Zeit darüber hinaus. Mehr Infos, was die LeserInnen erwartet gibt es hier.


Du bist ein absoluter Tausendsassa; Mama, Autorin des Buches Milk&Mother, Doula, Gründerin von Joni Joni & dem AAVA Kollektiv - was sind für dich die größten Herausforderungen als Gründerin und inwiefern bauen deine Projekte aufeinander auf?

Die größten Herausforderungen als Gründerin sind Privatleben – vor allem mit Familie – und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Ich habe nie das Gefühl, allen gerecht werden zu können, und das ist okay. Ich bestimme das Tempo, das liebe ich an der Selbstständigkeit. Der Drahtseilakt ist, auch mal vom Gas zu gehen, wenn es zu schnell in die Kurve geht, gerade bei eigenen Projekten, die allesamt so viel Spaß machen, ist das nicht immer einfach. Alle meine Projekte drehen sich im Großen und Ganzen um das Thema Frausein. Mit Joni Joni biete ich Produkte für Menschen mit Brüsten und Vulvas, aber auch für Schwesternschaft und Übergangszeiten im Leben von Frauen. Das Aava Collective ist der physische Raum, der mir gefehlt hat, um meine 1:1 Arbeit mit Frauen in das richtige Umfeld einzubetten. Außerdem kam während Corona der Wunsch, nach wirklich gelebter Schwesternschaft und wieder richtigem physischen Miteinander auf. Meistens entstehen meine Projekte aus eigenen Bedürfnissen heraus.

 

"Take it easy, hab Geduld mit dir selbst und gib dir Zeit. Neun Monate lang ist das Baby in dir gewachsen, es darf jetzt mindestens so lange dauern, miteinander in das neue Familiengefüge und in die neue Rolle als Mama zu wachsen."


Welchen Tipp würdest du werdenden Mamas mit auf den Weg geben, wenn es um die Zeit des Wochenbetts geht?

Take it easy, hab Geduld mit dir selbst und gib dir Zeit. Neun Monate lang ist das Baby in dir gewachsen, es darf jetzt mindestens so lange dauern, miteinander in das neue Familiengefüge und in die neue Rolle als Mama zu wachsen. Der Schlüssel, damit das reibungslos funktioniert, heißt “Hilfe annehmen” oder sogar um “Hilfe bitten”, wenn sie nicht angeboten wird. Es heißt nicht umsonst: “It takes a village…!” Stellt sicher, dass ihr mindestens ein ganzes Dorf habt für diese Zeit. 


Aus Doula-Sicht: Was kann das Umfeld tun, um die Mama während der Geburt und im Wochenbett zu unterstützen (wenn sich die Familie z.B. keine Doula leisten kann oder keine in der Nähe hat)?

Dasein, zuhören, sie in ihrer Rolle bestärken, ihr applaudieren, die auf Händen tragen, Hilfe anbieten, eine warme Mahlzeit kochen und vor die Tür stellen, den Hudn ausführen, Geschwisterkinder zum Spielen abholen, Massagegutscheine für Wochenbettmassagen daheim verschenken anstatt den zigsten Strampler, Blumen mitbringen, niemals als Gast zu Besuch kommen, sondern sich selbst (und der Mama gleich mit) einen Tee machen, immer etwas Gutes zu Essen mitbringen, und und und…..

Danke liebe Stephanie, für dieses tolle Interview!

Hier kommt ihr zu ihren Angeboten:

Website: https://www.warrior-woman.net/

Instagram: http://www.instagram.com_/warriorwoman

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